19-Jähriger legte in Beuerner Hinterhof den Grundstein für die Möbelstadt, die heute hessenweit über 600 Mitarbeiter hat
(V). Rudolf Sommerlad war Handwerker mit Herz und Verstand - ein Mann mit Visionen. Mit gerade mal 19 Jahren machte er seinen Schreinermeister und gründete in Beuern, einem Marktflecken unweit von Gießen,
seine Möbel-Manufaktur. Aus dem beschaulichen Familienbetrieb ist heute, 80 Jahre später, einer der größten Möbel-Anbieter Hessens geworden. Sommerlad beschäftigt an den sieben Standorten in Gießen, Fulda, Marburg und Wettenberg mehr als 600 Mitarbeiter und ist einer der größten Ausbildungsbetriebe im mittelhessischen Einzelhandel.
Es galt Hürden zu meistern, als Rudolf Sommerlad in den Anfangsjahren seine selbst gefertigten Möbel im "Holländischen Hof" unter freiem Himmel feil bot. Einen Verkaufsraum und eine angemessene Werkstatt konnte er sich erst Mitte der 1930er Jahre leisten. Dennoch war Rudolf Sommerlad so erfolgreich, dass er 1938 mit seiner Frau Emma und seinem Unternehmen nach Gießen zog. In der Bahnhofstraße und am Flutgraben siedelte die Möbelschreinerei Sommerlad an und legte so den Grundstein für eine bis heute andauernde Firmentradition in Gießen.
Der Zweite Weltkrieg zerstörte alles, was Rudolf Sommerlad geschaffen hatte. Die Gebäude in Gießen brachen im Bombenhagel zusammen. Der Visionär baute mit seiner Frau die Firma wieder auf: Am Flutgraben in Gießen eröffnete er seinen Betrieb, in dem er - Glasscheiben waren rar und teuer - seine Waren hinter brettervernagelten Schaufenstern aus Drahtglasstücken zeigte. 1949 wurde an die Werkstatt ein großzügiges Geschäftshaus mit einer vollsortierten Gardinen- und Teppichabteilung angegliedert. Bei der Eröffnung dieses Hauses prägte ein Gewerbelehrer namens Zeidler den Ausdruck "Möbelstadt Sommerlad".
"Wenn´s einer hat, . . . Rudolf Sommerlad führte seine Möbel-stadt bis 1973. Sein Sohn Rudi unterstützte ihn, nachdem er 1956 die Schreinerlehre und die Möbelfachschule in Köln absolviert hatte. Am 65. Geburtstag von Rudolf Sommerlad sen. übergab dieser die Geschäftsleitung an seinen Sohn Rudi. Im Alter von 77 Jahren verstarb 1986 der Firmengründer. Seit dem Tod seines Vaters Rudi im Jahr 1998, leitet Frank Sommerlad, der Enkel des Firmengründers, das Unternehmen, dessen Komplett-Angebot sich so zusammenfassen lässt: "Wenn´s einer hat, dann Sommerlad".
Der Weg vom gutbürgerlichen Innenausstatter zum Möbelriesen begann in den 60er Jahren. Rudolf Sommerlad hatte sein Möbelhaus am Flutgraben aufgestockt und in Alsfeld seine erste Filiale eröffnet. 1966 baute Sohn Rudi in Krofdorf das Zentrallager mit Versandhalle und gründete das Marken-Möbel-Zentrum (MMZ), aus dem später der Mitnahmemarkt SOMIT wurde. Bis 1971 folgten weitere Filialen in Offenbach, Darmstadt, Dillenburg und im Hessen-Center in Bergen-Enkheim. Sommerlad expandierte in weiten Teilen Hessens. Mitte der 80er Jahre betrieb der Möbelriese ein halbes Dutzend Niederlassungen. Unter dem Namen die "Holzbude" kommt 1977 ein Massivholz-Möbelbereich ins Sortiment.
Sommerlad überdachte Mitte der 80er Jahre seine Firmenphilosophie grundlegend und schloss die kleinen Filialen in Dillenburg, Offenbach, Darmstadt, Alsfeld und im Hessen-Center. In Petersberg/Fulda übernahm Sommerlad Möbel Link und baute den Standort zu einer seiner beiden gigantischen "Möbelstädte" aus.